HafenlohrVeranstaltungen / EreignisseMP 20.09.2004

 

Main-Post, 20.09.2004

"Das ist angewiesener Selbstmord"

Windheim (jos). Die Mitglieder des FC Germania Windheim stehen vor einem Scherbenhaufen. Der Verein ist zahlungsunfähig, gegen den früheren Vorsitzenden und seinen Kassier wird wegen Verdachts der Untreue ermittelt, die Auflösung des FCW steht an. "Das tut weh", bekannte ein sichtlich bewegter Ehrenvorsitzender Berthold Schwab in der außerordentlichen Hauptversammlung am Samstag und auch Bürgermeister Alfred Ritter war betroffen: "Es stimmt traurig, was wir hier gehört haben."

Schonungslos offenbarte der vom Amtsgericht eingesetzte Notvorstand Jürgen Wolf den 45 anwesenden Mitgliedern das ganze Ausmaß des Desasters, hielt sich nur da zurück, wo es das schwebende Ermittlungsverfahren gebot. "Wir führen das korrekt und sachlich zu Ende", lautete seine Marschrichtung und er betonte gleich zu Beginn: "Ich sage nichts aus Jux und Tollerei. Ich kann jeden Punkt schriftlich belegen und jedes Mitglied kann heute Abend hier Einsicht in die Papiere haben."

An seiner Seite hatte Wolf nicht nur seinen Vorgänger als Notvorstand, Dietmar Beck, den Ehrenvorsitzenden Berthold Schwab, Schriftführerin Elisabeth Stahl und Jugendleiter Ralf Bauer, sondern auch Rechtsanwalt Franz Werthmann (Marktheidenfeld), der den Verein berät. Dieser half dann auch mit, das von Insolvenzverwalter Franz-Peter Hohmann (Würzburg) erstellte Gutachten zu erläutern. Dieses liegt dem FCW seit vergangener Woche vor und beziffert die Verbindlichkeiten des Vereins auf rund 44 000 Euro für ein Darlehen bei der Raiffeisenbank und 21 809, 64 Euro Schulden bei Firmen und anderen.

Dem gegenüber, so listete Jürgen Wolf auf, stehen 233,76 Euro auf einem Bankkonto und an beweglichem Vermögen ein Rasenmäher und Büromaterial im Schätzwert von etwa 3250 Euro. Inwiefern Schadensersatzforderungen an den früheren Vorsitzenden und den Kassier berechtigt sind, das müssten Gerichte prüfen, sagte Jürgen Wolf. Und selbst wenn diese Forderungen durchsetzbar seien, so ließen sie sich wohl erst in Jahren realisieren.

Das Fazit des Gutachters Hohmann: Der Verein ist zahlungsunfähig, das Insolvenzverfahren ist mangels Masse abzulehnen. Rechtsanwalt Werthmann erklärte den weiteren Lauf der Dinge: "Das Gericht macht nichts. Es stellt die Zahlungsunfähigkeit fest und macht die Akte zu. Der Verein muss sich selbst auflösen. Das ist sozusagen ein angewiesener Selbstmord."

Diesen Antrag auf Auflösung des FC Germania haben inzwischen einige Mitglieder gestellt. Die Wahrscheinlichkeit, dass darüber in der nächsten außerordentlichen Sitzung entschieden werden kann, ist gering: Vier Fünftel der aktuell 180 Mitglieder müssten dann anwesend sein und von diesen zwei Drittel für den Antrag stimmen. Werden diese Hürden nicht gemeistert, dann findet eine weitere Versammlung statt, in der die Zahl der anwesenden Mitglieder unerheblich ist und wo die einfache Mehrheit bei der Abstimmung genügt. Bis dahin führt auf Beschluss der Versammlung vom Samstagabend Notvorstand Jürgen Wolf weiter die Geschäfte.

 

Main-Post, 20.09.2004

"Wir haben keine Chance gehabt"

Windheim (jos). Es ist ein schmerzhafter Prozess, dem sich die Mitglieder des FC Germania Windheim stellen müssen: die Aufarbeitung der Vergangenheit. Was ist schief gelaufen in den vergangenen beiden Jahren, in denen sich ein solider Verein mit Perspektive in einen hoffnungslosen Fall gewandelt hat? Doch der Blick geht nicht nur zurück, sondern ist auch nach vorne gerichtet: In der Hauptversammlung am Samstagabend wurde deutlich, dass nicht alle resigniert haben, sondern ein Neuaufbau diskutiert wird.

Notvorstand Jürgen Wolf sprach von einer "richtungsweisenden Sitzung" und er nahm deshalb auch alles ganz genau: Von 180 Mitgliedern des FCW waren am Samstag im Gasthaus "Hirschen" in Windheim 45 anwesend. Zehn hatten sich entschuldigt, darunter der Kassier, gegen den ebenso wie gegen den Ex-Vorsitzenden wegen Verdachts der Untreue ermittelt wird. In seinem Brief wünsche er dem Verein eine glückliche Zukunft, berichtete Wolf, der meinte: "Dass er sich überhaupt gemeldet hat, das hat Stil." Und weil im Dorf so viele Gerüchte kursierten, ergänzte er, dass dem Notvorstand jederzeit der Aufenthalt des Ex-Kassiers bekannt gewesen sei und man vom "Untertauchen" des Betroffenen deshalb nicht reden könne.

Dass viel und offenbar auch kontrovers im Ort geredet wird, das zeigte auch ein Zweites: Wolf verlas eine Liste mit den aus dem Verein ausgetretenen Mitgliedern. Begründung: "Damit morgen keiner durch das Dorf läuft und sagen kann, er sei gar nicht eingeladen gewesen. Wenn das so ist, dann ist er kein Mitglied."

Die Kinder können nichts dazu

Begonnen wurde die außerordentliche Hauptversammlung mit durchaus positiven Themen. So berichtete Ralf Bauer von einem rundum gelungenen Jugendturnier, dem "Hafenlohrtalcup", dessen Finanzierung außerhalb des Vereins laufen musste und das dank vieler Spender und Helfer ohne Minus bewältigt werden konnte. Bauer stellte unter dem Beifall der Anwesenden klar: "Die Kinder können nichts zu dem ganzen Zirkus im Verein; die wollen Fußball spielen und das können sie gut."

Weit über ein Dutzend Personen nannte anschließend Jürgen Wolf, die sich im vergangenen Jahr mit Tatkraft und Spenden für den FCW eingesetzt haben. Kritisch merkte er in diesem Zusammenhang Kosten an, die bei dem vom Verein ausgerichteten VG-Turnier angefallen sind, wie etwa 857 Euro für das Ausleihen von Lautsprechern für die Durchsage. Das passe nicht zusammen, denn: "Unsere Sponsoren kratzen ihre Rente zusammen und unsere Helfer stehen viele Stunden unentgeltlich auf dem Fest."

Ein Raunen ging durch den Saal, als Wolf ein Schreiben des Amtsgerichts Gemünden präsentierte, wonach der frühere Vorsitzende des FCW bereits am 20. November 2003 erstmals Insolvenz angemeldet hatte. Auch die AOK Bayern hatte damals die Insolvenz beantragt. "Der alten Vorstandschaft war das nicht bekannt", betonte Wolf. Das Insolvenzverfahren sei abgewendet worden, weil die zweite Vorsitzende und Ehefrau des Vorsitzenden 3700 Euro als Darlehen zuschoss - Geld, das später "aus dem Darlehen für den geplanten Anbau beglichen wurde".

Auch zu diesem Bau-Darlehen hatte der vom Amtsgericht seit Juli eingesetzte Notvorstand einiges zu berichten: So habe der Bayerische Landessportverband im Juni 2002 ein Darlehen von 37 500 Euro in Aussicht gestellt. Geld, das bislang nicht ausgezahlt wurde und das auch nicht mehr abgerufen werden kann. Wolf: "Dieses Darlehen ist tot. Es hat sich durch die Insolvenz erledigt, weil die Grundlage des Vertrags hinfällig ist."

Mit Hinweis auf dieses Darlehen seien jedoch in diesem Jahr zwei Kredite bei der Raiffeisenbank über insgesamt 44 000 Euro abgerufen worden. Kredite, für die die Gemeinde Hafenlohr bürgt. Jedoch lediglich 16 000 Euro, so der aktuelle Wissensstand, wurden für die Begleichung von Rechnungen verwendet, die mit dem Bau in Verbindung standen.

Wie es zu den finanziellen Ungereimtheiten kommen konnte, für die Jürgen Wolf noch eine ganze Reihe anderer Beispiele nannte, ist vielen Mitgliedern ein Rätsel. Unterm Strich stehen laut Gutachten jedenfalls aktuell 65 000 Euro Verbindlichkeiten. Die Anwesenden wollten wissen, warum nicht besser kontrolliert wurde, warum niemand eingeschritten sei. "Wir haben keine Chancen gehabt", sagte Ehrenvorsitzender Berthold Schwab. Die Vorstandschaft sei über einen längeren Zeitraum hinweg getäuscht und immer wieder vertröstet worden. Dies bestätigte auch Jugendleiter Ralf Bauer. Die Beantwortung offener Fragen sei immer wieder von einer Sitzung zur nächsten vertröstet worden, weil stets etwas gefehlt habe.

Vorstandswahl gescheitert

Erwartungsgemäß scheiterten die für Samstagabend angesetzten Vorstandswahlen, weil alle vorgeschlagenen Kandidaten ablehnten. Hafenlohrs Bürgermeister Alfred Ritter, der die Wahlen leitete, wirkte ratlos: "Das tut mir sehr weh. Dieser Verein spielt eine herausragende Rolle in der Dorfgemeinschaft." Den FC Germania Windheim wird es nicht mehr lange geben. Die Auflösung ist beantragt. Doch es gibt einen Silberstreif an Horizont. Jugendleiter Bauer war zuversichtlich, dass die Jugendmannschaften in der Spielgemeinschaft mit dem VfB Hafenlohr weiter am Spielbetrieb teilnehmen können. Und Berthold Schwab appellierte: "Wir müssen das alle zusammen aufarbeiten. Wir müssen den alten Kram beerdigen und etwas Neues aufbauen."

 

Main-Post, 20.09.2004

Finanzmisere nicht nur beim FCW

Windheim (jos). Nicht nur beim Sportverein FC Windheim scheint der "Wurm drin", sondern auch beim örtlichen Vereinsring, über den die Erweiterung der Hafenlohrtalhalle gelaufen ist. Dies jedenfalls lässt sich aus den Informationen heraushören, die in der Hauptversammlung des FC Germania am Samstagabend gegeben wurden. Wie der FCW-Notvorstand Jürgen Wolf betonte, sei der Sportverein nicht schuld an der Finanzmisere des Vereinsrings, der nach seinen Angaben rund 27 000 Euro Schulden hat.

Der Sportverein schulde dem Vereinsring nachweislich höchstens 4000 Euro, mehr nicht. Diese Summe resultiere aus den Kosten für die neue Heizungsanlage. Alles andere sei abgerechnet. Allerdings kritisierte Wolf, wie dies zuweilen gelaufen sei: "Im Jahr 2004 wurden die Nebenkosten aus dem Jahr 2001 abgerechnet." Die Gemeinde, so sein Vorwurf an Bürgermeister Alfred Ritter, sei zu nachlässig gewesen und hätte handeln müssen.

Ob der Vereinsring, der bislang keine Satzung hat und eine solche jetzt in den Vereinen zur Abstimmung stellt, überhaupt weiter bestehen wird, ist offen. Nachdem der Sportverein sich auflöst und somit die Satzung für ihn kein Thema mehr war, sickerte am Samstagabend durch, dass auch der Elisabethenverein und der Anglerverein sich mit dem Gedanken tragen, aus dem Vereinsring auszutreten.

So beklagte eine Vertreterin vom Kindergarten-Trägerverein die schlechte Informationspolitik des Vereinsrings. Über die dort gefassten Beschlüsse sei nichts bekannt gewesen. Angekündigte Vereinsringsitzungen hätten nicht stattgefunden, wusste ein Vertreter der Feuerwehr. Über die wahre Finanzlage sei auch nicht korrekt informiert worden.

 

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